Meditation trifft Tod – mit der Angst vor dem Tod anders umgehen

 

Meditation trifft Tod – mit der Angst vor dem Tod anders umgehen. Das tibetische Buch vom Leben und vom Sterben schenkt uns einen anderen Blick auf das Leben. Denn nur, wenn wir auch den Tod in unser Leben integrieren, sind wir fähig unserem Leben angemessen zu begegnen und es in vollen Zügen zu genießen.

Mir hat „Das Tibetische Buch vom Leben und vom Sterben“ vor vielen Jahren einen anderen Blick auf das Leben und den Tod geschenkt und es hat mich überrascht, wie detailliert hier die inneren Prozesse während des Sterbens und nach dem Tod beschrieben werden. Beeindruckend und wachrüttelnd zugleich.

Was mir an diesem Buch so gut gefällt: die unglaubliche Tiefe und warme sowie einfache Sprache.

 

Der Tod in der modernen Welt

„Ich begriff, dass die Menschen heutzutage lernen, den Tod zu verdrängen, und daher im Sterben nichts als Vernichtung und Verlust sehen. Daraus folgt, dass die meisten Menschen den Tod entweder vollständig leugnen oder in Angst vor ihm leben. (…)
Andere sehen dem Tod mit einer naiven, gedankenlosen Zuversicht entegegen. Sie denken, aus irgendwelchen unbekannten Gründen werde schon alles gutgehen, und man müsse sich keinerlei Sorgen machen. Wenn ich an diese Menschen denke, werde ich immer an den Ausspruch eines tibetischen Meisters erinnert: „Die Menschen nehmen den Tod oft allzu leicht und denken: ‚Was soll’s, der Tod ereilt schließlich jeden. Was ist schon dabei, er ist etwas ganz Natürliches, es wird schon werden.‘ Das ist eine nette Theorie – bis man dann stirbt.“ (S. 22)

Die Bedeutung des Lebens

Es ist eine traurige Tatsache, dass die meisten von uns ihr Leben erst dann zu würdigen beginnen, wenn es ans Sterben geht. (…) Der Buddhismus sieht Leben und Tod als eine Ganzheit, wobei der Tod ein neues Kapitel im leben einleitet. Der Tod ist ein Spiegel, in dem der ganze Sinn des Lebens reflektiert wird.“ (S.25 f.)

Allein aus diesem Grund macht für mich die spirituelle Praxis, Bewusstsein, Achtsamkeit und Meditation enorm viel Sinn. Die Natur des Geistes zu ergründen, das Leben in jedem Augenblick bewusst zu erleben und zu prüfen, wie sehr unser Leben mit unserem Herzen in Übereinstimmung ist.

Meditation und das Beständige

Hier möchte ich einen wesentlichen Grund hervorheben, weswegen Meditation auch unter dem Aspekt des Lebens und Sterbens so bedeutsam ist:
„Vielleicht ist aber die eigentliche Ursache unserer Angst die Tatsache, dass wir nicht wissen, wer wir wirklich sind. Wir glauben an eine persönliche, einzigartige und unabhängige Identität. Wagen wir es aber, diese Identität zu untersuchen, dann finden wir heraus, dass sie völlig abhängig ist von einer endlosen Reihe von Dingen: von unserem Namen, unserer „Biographie“, von Partner, Familie, Heim, Beruf, freunden, Kreditkarten … Auf diese brüchigen und vergänglichen Stützen bauen wir unsere Sicherheit. Wenn uns all das genommen würde, wüssten wir dann noch, wer wir wirklich sind? (…)
Wenn wir sterben, lassen wir alles zurück, vor allem unseren Körper, (…) aber auch unser Geist ist um keine Spur verlässlicher (…): andauernd hüpft er hin und her.“ (S. 32 f.)
Auch in der Meditation verabschieden wir uns immer wieder von unsere selbstgebauten 🙂 Persona und suchen das auf, was nicht vergänglich ist.

Aufwachen statt Angst haben

„Wir müssen uns Zeit zu Zeit aufrütteln und uns wirklich fragen: „Wenn ich heute nacht sterben müsste, was dann?“ Wir wissen weder, ob wir morgen aufwachen, noch wo. Wenn du ausatmest und nicht wieder einatmen kannst, bist du tot. So einfach ist das. Wie ein tibetisches Sprichwort sagt: „Der morgige Tag oder das nächste Leben – was zuerst kommt, wissen wir nie.“
Einige der berühmten Meister einer kontemplativen Tradition Tibets pflegten abends, wenn sie sich schlafen legten, ihe Tassen sorgfältig zu säubern und sie dann umgekehrt neben ihr Bett zu stellen, da sie ja nicht sicher sein konnten, ob sie morgen wieder aufwachen und überhaupt noch einmal Verwendung für sie haben würden. Jeden Augenblick lebten sie mit der Möglichkeit ihres baldigen Todes.“ (S. 39)

Insbesondere diese Passage ist mir heute immer noch bildlich im Gedächtnis. Dieses Bild lässt mich immer wieder sehen, wie ich meine Wohnung verlasse, welche Gegenstände ich nicht mehr brauche, ob ich noch jemandem etwas schulde, was ich jemandem noch sagen möchte, was noch tun oder erleben möchte … Denn der Körper ist ein Geschenk, der uns vieles tun und erfahren lässt, was wir als Geistwesen nicht können 🙂

Das Buch gibt es hier auf Amazon.

Ich wünsche dir viel Freude beim Anschauen, Anhören und Praktizieren!
Vielleicht sehen wir uns ja in meinen Meditationen, Workshops über Trauer und Meditation oder auf Youtube in meinen Videos zu diesen Themen!

Von Herzen,
Brigitte

Wenn Dir der Beitrag gefallen hat, kannst Du ihn gerne mit Anderen teilen: